Wir danken Dr. Wolfram Müller, dass er uns anhand des Beispiels Biblis erläutert hat, wie komplex die Aufgabe ist ein Kernkraftwerk zurück zu bauen. Der Rückbau eines Kernkraftwerks erfordert nicht nur den sicheren Umgang mit radioaktiven Materialien, auch die Logistik der Entsorgung und Wiederverwertung konventioneller Baustoffe spielt eine entscheidende Rolle – die Dr. Müller in seinem Vortrag in den Vordergrund stellte.
Beim Rückbau eines Großkraftwerks fallen zwei Baustoffe in größeren Mengen an: Altbeton und Metall.
Metalle wie Stahl, Blei und Aluminium werden über den Schrotthandel in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt. Besonders wertvoll ist, dass RWE detaillierte Dokumentationen zu allen verwendeten Materialien besitzt. Der Verkauf von Stahl funktioniert gut, während die Wiederverwertung ganzer Kraftwerkskomponenten aufgrund spezifischer Bauweisen oft nicht möglich ist. Somit werden z. B. funktionstüchtige Turbinen verschrottet, weil sich kein Abnehmer findet.
Bis man beim Rückbau zum Beton gelangt, müssen erst kleinteilig alle Kabel und Rohre entfernt werden. Der Altbeton ist sehr homogen, das heißt er enthält keine Ziegel oder Estriche und eignet sich deshalb besonders gut für die Wiederverwertung.
Der in den Großkraftwerken anfallende Altbeton kann zum Beispiel zum Einsatz als Recyclingzuschlagstoff für Beton (Upcycling) oder als Unterbaustoff von Straßen, oder als Verfüllmaterial (Downcycling) verwendet werden. Es ist RWEs Ziel, dass so viele Baustoffe wie möglich zum Upcycling genutzt werden. Dies ist vor allem sinnvoll, wenn es in der Nähe eine Hochbau-Baustelle ist – dies ist aber natürlich nicht immer der Fall. Eine Verwendung des Recyclingmaterials vor Ort ist aus CO₂ Gesichtspunkten ein idealer Einsatz, da z.B. keine zusätzlichen Transporte notwendig sind. Die Rolle der Logistik für eine zirkuläre Bauwirtschaft beleuchtete auch schon der vergangene Vortrag, den Sie hier noch einmal nachlesen können. Die Nachfrage nach Naturkies und Naturschotter ist aktuell immer noch höher als nach Recyclingschotter, was die Vermarktung erschwert.
Ein innovativer Ansatz ist die Nutzung von Altbeton als CO₂-Senke. Entweder durch Aufnahme und Speicherung von CO₂ – entsprechende Verfahren sind im Pilotstatus. Beim Zerkleinern von Beton wird dessen Oberfläche vergrößert und kommt vermehrt mit Luft in Kontakt. Dabei reagiert das im Beton enthaltene Calciumhydroxid (Ca(OH)₂) mit atmosphärischem CO₂ aus der Luft und bildet Calciumcarbonat (CaCo₃), oder als Zugabe von pulverisiertem Zementstein aus Altbeton, der bei der Zementherstellung zugesetzt werden von und somit den Bedarf an neuem Portlandzement reduzieren kann.
Der Rückbau eines Kraftwerks ist ein langfristiges Projekt, das mindestens 10 Jahre dauert. Somit können die entwickelten Ideen und Strategien kontinuierlich verbessert und erweitert werden. Der Bedarf an Recycling-Baustoffen steigt, und innovative Ansätze zur Wiederverwendung könnten eine entscheidende Rolle in der Baubranche und der CO₂-Reduktion spielen. Der Rückbau von Großkraftwerken könnte hier als wegweisendes Beispiel dienen.
Das nächste Webseminar findet am 6. März 2025 statt und wird sich Kunststoff-Kreisläufen widmen.
Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder mit dabei sind!
Ihr CirPEL und Prosperkolleg e.V. Team